WM-Qualifikation, 3. Spieltag
Andorra – Schweiz 1:2 (0:1)
Estadi Nacional
10. Oktober 2016, 20.45 Uhr
Zuschauer: 2000 (davon etwa 500 Gäste)
Andorra gehört definitiv zu den exotischen Reisezielen beziehungsweise Länderpunkten in Europa. Dies liegt mitunter an der schlechten Verkehrsanbindung des Pyrenäenstaates, der weder über einen Flughafen noch über einen Bahnhof verfügt. Da ich von französischer Seite aus anreisen wollte, war zunächst mein Plan bis in den französischen Grenzort L‘Hospitalet près l’Andorre mit dem Zug zu fahren und die restlichen 13 Kilometer über die Grenze mit dem Bus zurückzulegen. Glücklicherweise bemerkte ich noch rechtzeitig, dass ein Bus über die Grenze nur zweimal am Tag verkehrt und somit diese Art der Anreise nicht umsetzbar war. Da ein Mietwagen ziemlich teuer ist, verblieben nur noch die Möglichkeiten BlaBlaCar und Fernbus. Das Angebot bei BlaBlaCar ist an den Wochenenden ziemlich reichhaltig. Da ich mich aber für die sicherste und attraktivste Partie, das Länderspiel zwischen Andorra und der Schweiz, entschied, welches die UEFA unnötigerweise auf Montagabend terminierte, blieb für mich nur noch der Fernbus übrig. Vielleicht an dieser Stelle noch interessant zu erwähnen, dass in Andorra ein funktionierendes Linienbussystem existiert, sodass wenn man es einmal ins Land geschafft hat alle Städte oder soll ich besser schreiben Dörfer mit dem Linienbus erreichen kann.
Los ging‘s also Montagmorgen mit einem Minibus in Richtung Andorra. Vorbei an wunderschönem Bergpanorama erreichte der Bus die Hauptstadt Andorra la Vella zur Mittagszeit. Das Fürstentum Andorra, welches bereits 1278 gegründet wurde, ist hauptsächlich als Steuer- und Einkaufsparadies bekannt. Mir erschien es so, als würde das Land zunehmend versuchen auch als touristisches Ziel wahrgenommen zu werden. Inwieweit dies mit der katastrophalen Verkehrsanbindung gelingt, sei an dieser Stelle dahingestellt.
Nach Ankunft in Andorra erkundete ich zunächst einmal die Stadt. Definitiv zu empfehlen, ist eine Wanderung auf dem Rundwanderweg über Andorra la Vella von wo aus die Hauptstadt in einem ganz anderen Blickwinkel erscheint.
Während meiner Sightseeing-Tour kam ich auch am Estadi Comunal vorbei. Das Stadion, welches bis 2014 als Heimspielstätte der Nationalmannschaft genutzt wurde, bietet rund 1.000 Zuschauer Platz und wurde an diesem sonnigen Nachmittag vom Schulsport genutzt.
Das Spiel gegen die Schweiz sollte am Abend im Estadi Nacional stattfinden. Das Nationalstadion befindet sich mitten in der Stadt und rund ums Stadion türmen sich Wohnhäuser in die Höhe. Obwohl das Stadion mit seinen drei Tribünen wenig Charme versprüht, macht die innerstädtische Lage und das Bergpanorama dies wieder gut. Die geringe Kapazität von gerade einmal 3.300 Zuschauern ist darauf zurückzuführen, dass an einer Längsseite statt einer Tribüne ein Wohnkomplex steht. Da die Spiele der Nationalmannschaft nie ausverkauft sind, spielt dies auch keine große Rolle.
Schon den ganzen Nachmittag über waren in der Stadt erstaunlich viele Schweizer zu sehen, welche die beschwerliche Reise auf sich nahmen. Im Stadion standen die aktiveren Fans auf der Hintertortribüne, während der Rest auf der Haupttribüne Platz nahm. Die Fans hinter dem Tor sorgten durch gelegentliche Anfeuerungen für etwas mehr Fußballatmosphäre. Das Spiel gestaltete sich überraschend zäh und die favorisierten Schweizer konnten sich am Ende lediglich mit 2:1 durchsetzen. Insbesondere der späte Anschlusstreffer Andorras belebte das Spiel nochmal deutlich, sodass immerhin an der Sensation geschnuppert werden konnte.
Die Rückreise stand am nächsten Tag an. Mit billigem Alkohol, Zigaretten und dem Länderpunkt im Gepäck ging es zusammen mit einigen Schweizern wieder zurück nach Frankreich.










