Frankreich, Ligue 1
Toulouse FC – Paris Saint Germain 2:0 (0:0)
23. September 2016, 20.45 Uhr
Stadium Municipal
Zuschauer : 28.682 (mit Paris-Fans im neutralen Bereich etwa 2000 Gäste)
Der 7. Spieltag der Ligue 1 bot mit dem Freitagabendspiel in Toulouse die optimale Voraussetzung für ein Hoppingwochenende, sodass ich deswegen Besuch aus Deutschland begrüßen durfte. Wir begaben uns circa eine Stunde vor Spielbeginn mit der Metro ins Stadion. In Anbetracht des attraktiven Gegners, hatten wir uns die Karten bereits im Vorfeld besorgt, da das Spiel am Ende nicht ausverkauft war, wäre dies wohl nicht unbedingt notwendig gewesen.
Obwohl das Stadion in Toulouse nur wenige Eingänge für die knapp 30.000 Zuschauer bereithält, bildeten sich keine großen Schlangen vor den Toren. Dies lag vor allem am Ordnerpersonal, welches recht oberflächlich kontrollierte. Dies ist doch erstaunlich, da in Frankreich nach den Anschlägen von Paris und Nizza nach wie vor der Ausnahmezustand gilt und beispielsweise durch die Straßen der Städte regelmäßig das Militär patrouilliert.
Das Stadium Municipal Toulouse befindet sich auf einer Insel in der Garronne. Von den Einheimischen wird es aufgrund der Ähnlichkeit zum alten Wembley-Stadion „Petit-Wembley“ genannt. Inwieweit dies zutrifft, können wir leider an dieser Stelle nicht beurteilen, da das alte Londoner Stadion leider nie besucht wurde. Auf alle Fälle hat die Arena einige Besonderheiten. Zum einen sind die Tribünen sehr flach und zum anderen ist es möglich sich direkt hinter den Toren an die Werbebande zu stellen, sodass man praktisch direkt an der Grundlinie steht. Das Stadion, welches 1937 erbaut wurde, war bereits dreimal Austragungsort für ein fußballerisches Großereignis (WM 1938 und 1998 sowie EM 2016).
Paris gegen Toulouse ist eigentlich die klassische Geschichte von David gegen Goliath. Während Paris in den letzten vier Jahren Meister wurde, konnte sich Toulouse erst am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison den Klassenerhalt sichern. Darüber hinaus wartet man in Toulouse bereits seit sieben Jahren auf einen Sieg gegen die Hauptstädter.
Zu Spielbeginn zeigten die Toulouser Ultras, die Indians Tolosa, eine Choreo mit weißen und lilanen Fahnen unter dem Motto: „A Toulouse meme les legendes tombent“. Dies bedeutet frei übersetzt in Toulouse fallen Legenden. Gleichzeitig wurde vom Dach eine Art Blockfahne mit dem Konterfei von Diego Maradona im Trikot des SSC Neapel entrollt. Mit dieser Choreographie sollte an die Europacup Saison 1986/1987 erinnert werden, als der FC Toulouse sensationell den SSC Neapel mit Weltstar Maradona aus dem Pokal kegelte. Gleichzeitig sollte der Mannschaft aufgezeigt werden, dass im Fußball alles möglich ist. Die Aktion kann durchaus als gelungen bezeichnet werden, jedoch hätten mehr Fahnen zu einem besseren Bild beigetragen.
Auf Seiten der Toulouser beteiligten sich ungefähr 200 Fans am aktiven Support in der Virage Est. Bedauerlicherweise waren von unserem Platz auf der anderen Seite die Gesänge kaum zu vernehmen, was wahrscheinlich an dem weitläufigen Rund und der damit verbundenen schlechten Akustik des Stadions lag. Zudem versuchten sich rund 20 Mann in der Virage Ouest hinter einer „WE 15“ Zaunfahne am Heimsupport. Ziel der West Eagles ist es einen organisierten Support in der Virage Ouest zu etablieren.
Der Gästeblock war gut gefüllt allerdings beteiligten sich nur rund 50 Fans am Support der Mannschaft. Dieser beschränkte sich fast ausschließlich auf einfache Schlachtrufe. Nach der Auflösung der Supras Auteuil und dem Verbot beziehungsweise Rückzug einiger anderer Fangruppen ist von PSG stimmungstechnisch leider nicht mehr viel zu erwarten.
Auf dem Rasen konnten die krassen Außenseiter aus dem Südwesten Frankreichs gut mit der Pariser Startruppe mithalten. Dies führte dazu, dass die Anfeuerungsrufe immer lauter wurden und teilweise bei einzelnen Sprechchören das komplette Stadion miteinstieg. Nach einem Foulspiel im Strafraum von Paris entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter und Platzverweis. Die Gastgeber nutzten diese Chance zur 1:0 Führung und waren von nun an das bessere Team. PSG fand nicht zurück ins Spiel, sodass nach einem katastrophalen Fehlpass Jimmy Durmaz den 2:0 Endstand besorgte. Das Stadion drehte daraufhin natürlich komplett am Rad und feierte den historischen Sieg bis tief in die Nacht.













