Nachtrag: Finale U19 EM

U-19-EM, Finale

Frankreich – Italien 4:0 (2:0)

Rhein-Neckar-Arena Sinsheim

24. Juli 2016, 20.30 Uhr

Zuschauer: 25.100

Unsere Fußballsaison 2015/16 endete mit dem Relegationsspiel zwischen dem 1.FC Nürnberg und Eintracht Frankfurt, unsere Fußballsaison 2016/17 begann mit dem U-19-EM-Finale zwischen Frankreich und Italien. Könnten Unterschiede im Fußball größer sein? Auf der einen Seite ein Klassiker der Bundesliga mit zwei der stimmungsvollsten Fankurven der Republik im altehrwürdigen Frankenstadion, ein Spiel um Alles oder Nichts. Und auf der anderen Seite? Das Finale einer Junioren-EM, der Höhepunkt also eines Turniers, das von der UEFA in gewohnt perfekter und doch so steriler Weise inszeniert und vermarktet wurde (Stichwort „Aufgehende Sterne“). Ein Spiel garantiert ohne Ultras und Pyrotechnik, in einer austauschbaren Arena auf einer Wiese irgendwo an einer Autobahn bei Sinsheim, dafür aber mit Fußball aus einer Welt der Nachwuchsleistungszentren (in diesem Falle genauer gesagt aus dem französischen Elite-Fußballzentrum in Clairefontaine) und technisch Hochbegabten. Doch der Reihe nach:

Als begeisterte Fußballfans wollten wir uns natürlich eine U-19-EM in heimischen Gefilden in der fußballfreien Zeit zwischen EM und den Ligastarts nicht entgehen lassen und das Budget für die Fußballsaison wurde doch die Spottpreise, mit denen die UEFA möglichst viele Zuschauer zum Finale ins Stadion locken wollte, auch kaum belastet. Sie dürfte zufrieden sein, da sich offiziell 25.100 Zuschauer (und damit fast die Maximalzahl für internationale Spiele) durch die obligatorische Marketingmaschinerie der Turniersponsoren vor der Arena ins Innere durchgekämpft haben. Im Halbfinale drei Tage zuvor im Mannheimer Carl-Benz-Stadion zwischen Frankreich und Portugal bot sich uns noch ein gänzlich anderes Bild mit einem fast leeren Stadion und ohne das Sponsoren-Großaufgebot.

Vor dem Anpfiff des Finales durfte eine zum Glück aber recht kurze „kreative“ Einlage des Veranstalters natürlich ebenso wenig fehlen wie eine Choreo mit den Flaggen der beteiligten Nationen (inklusive eingebautem sponsorenmotiviertem Sternenlogo) und ein eigens komponiertes Turnierlied (der versierte Leser ahnt vielleicht schon, dass das Sternenmotiv auch hier im Vordergrund stand). Auch während des Spiels herrschte neben einigen zaghaften Anfeuerungsrufen vonseiten der in kleineren Gruppen anwesenden Fans der Finalgegner, vor allem aber Italiens, eine typische Eventstimmung vor. Wir versuchten uns zwar mutig als Wellenbrecher, doch gegen die ständigen La-Ola-Versuche konnten auch wir nicht ankämpfen. So konzentrierten wir uns, wie zu erwarten war, mangels erwähnenswerten Geschehnissen auf den Rängen, schnell dem Geschehen auf dem Rasen.

Vorgewarnt vom im Halbfinale gegen Portugal gesehenen war Frankreich schon nach wenigen Minuten und kurzer Betrachtung der italienischen Elf als Favorit ausgemacht und diese Einschätzung sollte sich im Verlauf des Spiels mehr als bestätigen. Schon nach nur 5 Minuten wurde der spätere Torschützenkönig des Turniers, Jean-Kévin Augustin, allen Vorschusslorbeeren gerecht und erzielte mit derartiger Eleganz, Wendigkeit und Schnelligkeit das 1-0, dass dieses Tor wohl die Nachricht gen Heimat nach Paris senden sollte, dass sich die Herren Unai Emery und Patrick Kluivert gar nicht um einen Nachfolger eines gewissen Zlatan Ibrahimovic bemühen müssen, da sie diesen schon in ihren eigenen Reihen haben. Spätestens als Ludovic Blas auf Vorlage des extrem tempo- und trickreichen und zugleich torgefährlichen 17-jährigen Linksaußen Kylian Mbappé, der nicht nur aufgrund seines Vereins AS Monaco an den jungen Thierry Henry erinnert, in der 19. Minute das 2-0 nachlegte, war allen im Stadion schon klar, dass dieses Turnier entschieden war. In der Folge zeigten die Franzosen angetrieben von Spielmacher und Dribbelkünstler Amine Harit vom FC Nantes (noch) mehr und mehr, dass sie offensichtlich während des Turniers in ihrer Freizeit das komplette FIFA-Trickhandbuch auswendig gelernt hatten, sodass den Italienern das Turniermotto immer gegenwärtiger wurde und ihnen so manche Sterne vor dem geistigen Auge erschienen. In der 82. Minute erzielte schließlich der französische Kapitän und Stratege Lucas Tousart von Olympique Lyon das 3-0, ehe in der Nachspielzeit der ebenfalls hochveranlagte Innenverteidiger Issa Diop vom FC Toulouse den Entstand besorgte.

Auch ohne jede Spannung hatte sich der Sonntagabend aus fußballerischer Hinsicht also voll gelohnt. Trotzdem freuen wir uns jetzt  auf eine neue Saison mit echten Emotionen, packender Spannung, prickelnder Stimmung und bebenden Fankurven. Auf echten Vereinsfußball eben. Dafür darf es dann auch mal wieder Kampf und Krampf vom Acker statt Fußballkunst direkt aus Clairefontaine sein.

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