1. FC Nürnberg vs. Eintracht Frankfurt

Deutschland, Bundesliga Relegation

1 FC Nürnberg – Eintracht Frankfurt 0:1 (0:0)

Max-Morlock-Stadion / Frankenstadion

23. Mai 2016, 20.30 Uhr

Zuschauer: 50.000 (davon etwa 5.000 Gäste)

 

Wo fängt man an nach einem solchen Abend? Vielleicht ganz am Ende.

Nürnberg, 22.38 Uhr, etwa 20 Minuten nach Abpfiff. Man erlebt es selten, das zu diesem Zeitpunkt ein Stadion noch voll ist. Aber man erlebt es noch seltener, dass nicht nur die Fans der siegreichen Mannschaft singen.

In der Gästekurve feiern die Frankfurter Fans und Spieler den Klassenerhalt, der vor wenigen Wochen schon fast außer Reichweite, dann bis zur 88. Minute im Bremer Weserstadion fast eingetütet schien – aber jetzt, nach 180 weiteren, aufreibenden Minuten tatsächlich perfekt ist. Totale Freude, totale Erleichterung. Frankfurt bleibt erstklassig.

Auf der Gegenseite aber feiern die Nürnberger Fans, teilweise mit Tränen in den Augen, ihren Verein. Sie applaudieren der Mannschaft. Sie singen You`ll never walk alone. Sie halten ihre Schwarz-roten Schals in den Nachthimmel. Selbst als kurze Zeit später auch die Spieler in den Katakomben verschwinden, bleiben die Fans noch minutenlang da. Es ist nicht der vom Himmel fallende Regen, der sie im Stadion hält, sondern die Liebe zu ihrem Verein. Diese Liebe endet auch nach einer gescheiterten Relegation nicht. Sie gilt für immer.

Zurück an den Anfang. Manchmal ist man als Groundhopper auch Eventfan. Zum Beispiel in diesem Fall. Ein „Alles oder nichts“-Spiel um den Verbleib bzw. Aufstieg in die Bundesliga zwischen zwei Vereinen, die zwar schon länger nicht mehr sportlich aber dafür seit Jahren auf den Rängen zur Spitze Deutschlands gehören. Da muss man dabei sein. Schon im Hinspiel soll die Stimmung herausragend gewesen sein. Das erhöhte noch einmal die ohnehin schon hohen Erwartungen.

Und was soll man sagen? Die Erwartungen wurden absolut erfüllt.

Schon weit vor dem Anpfiff war die Stimmung in der Nordkurve prächtig. Im rechten Teil bei UN und der Banda eine fast hundertprozentige Mitmachquote. Nürnberg gierte nach Bundesliga und die Chancen schienen nach dem guten Hinspielergebnis gut zu sein. Eingeläutet wurde die Begegnung auf Heimseite mit einer Choreographie über Ober- und Unterrang. In der Mitte wurde eine große Blockfahne heruntergezogen und in den Außenbereichen mit roten und weißen Papptafeln der Schriftzug „Let`s Rock“ gebildet. Trotz der gelungenen Optik müssen in der B-Note ein paar Punkte abgezogen werden, weil im Oberrang schon vor Anpfiff viel zu früh viel zu viele Fans ihre Tafeln herunternahmen, zerküllten und wegwarfen. Wer 90 Minuten lang Bier trinken kann wird ja wohl auch in der Lage sein mal fünf Minuten so eine Tafel hochzuhalten…

Die Frankfurter Fanszene erschien erst relativ spät im Gästeblock – dafür mit allerhand verbotener Materialien. Zum Einlauf der Mannschaften wurden Bengalos, Böller, Blinker und Raketen gezündet. Der Gästeblock verschwand anschließend erstmal hinter einer dicken Wand aus Rauch.

Zum Spiel würde ich an dieser Stelle gerne mehr schreiben, aber es gibt nicht viel zu berichten. Das Auftreten der Nürnberger Mannschaft war und bleibt auch noch einen Tag danach rätselhaft. Die Offensive war während er gesamten Saison die große Stärke des Clubs, und jetzt, wo jedes Tor entscheidend ist, stellte man sich wie schon im Hinspiel mit Mann und Maus an den eigenen Strafraum. Natürlich darf man in einer solchen Partie wenn Frankfurt gezwungen ist ein Tor zu schießen nicht hinten unnötig aufmachen. Aber keine eigenen Ambitionen? Null Entlastungsangriffe? Obwohl sich 50.000 Fans im Rücken bei jedem Tackling, jedem gelungenen Pass von ihren Sitzschalen erheben? (Zumindest diejenigen, die nicht ohnehin schon die gesamte Spielzeit standen.) Die Eintracht wirkte jedenfalls keinesfalls übermächtig, war aber doch deutlich überlegen.

Zurück zum Geschehen auf den Tribünen. Hier war es kein Krampf, hier war es ein Fest. Es ging hin und her – so wie man es sich auch auf dem Spielfeld gewünscht hätte. Die Emotionen, von denen so oft gesprochen wird, aber kein TV-Zuschauer weiß was es ist, hier konnte man sie sehen. Im Nürnberger Fanblock brannten fast durchgängig ein bis drei Bengalos, im Gästeblock ebenfalls zu Beginn der zweiten Hälfte. Man mag sich kaum vorstellen was auf den Tribünen bei einem Spektakel auf dem Rasen abgegangen wäre.

Die Stimmung im Gästeblock wurde trotz der Überlegenheit in der zweiten Hälfte von Minute zu Minute angespannter. Bis, ja bis, Haris Seferovic nach 66. Minuten den Ball über die Linie drückte. Komplette Ekstase bei den etwa 5000 mitgereisten Frankfurtern. Selten habe ich solche Szenen erlebt.

Irgendwie merkte man den Nürnberger Fans in der Folge auch an, dass sie nach der Frankfurter Führung selbst nicht mehr so richtig an den Aufstieg glaubten. Eine echte Torchance gab es auch nicht mehr. Die Unterstützung ging zwar bis zum Schlusspfiff weiter, aber der letzte Funke fehlte. Bis er 20 Minuten nach dem Schlusspfiff wiederkam.

Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank.

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